Der Krimi Schreibwettbewerb
Lisa und Kaya sind schon seit dem Sandkasten die besten Freundinnen. Die beiden verbrachten jede freie Stunde zusammen und machten gerne alles Mögliche gemeinsam. Sie tauschten selbstverständlich alle Geheimnisse aus uns waren überzeugt davon, dass ihre Freundschaft nichts und gar nichts erschüttern kann. Sie hatten es sich geschworen Freundinnen fürs Leben zu bleiben. Und obwohl, sie verschiedene Schulen besuchten, schafften sie es bis jetzt immer gut zu planen um möglich viel miteinander unternehmen zu können.
Wie jeden Freitagnachmittag gingen Lisa und Kaya in die Bibliothek. Das Lesen ist eine große Leidenschaft der Beiden. Vor allem Lisa nahm gerne an allen erdenklichen Lesewettbewerben teil und Kaya unterstützte gewissenhaft ihre Freundin bei den Vorbereitungen. Gerade kürzlich hat Lisa den Wettbewerb auf die beste Vorleserio des Jahres 2016 gewonnen. Der ganze Freundeskreis war auf Lisa sehr stolz und Kaya war sogar ein wenig neidisch auf ihre Freundin. Es einmal zu erleben, einen Preis zu gewinnen, würde Kaya sich auch sehr wünschen. Bis jetzt gab es aber keine geeignete Gelegenheit dazu. In der Bibliothek entdeckten die beiden einen Flyer über den Krimi-Schreibwettbewerb für Kinder. Die Ankündigung ließ die Herzen von beiden Mädchen schneller schlagen. Schreiben war auch Kayas große Leidenschaft. Sie schrieb schon einige spannende Romane, leider bis jetzt nur für die Schublade. Kaya fehlte der Mut ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Nicht mal Lisa wusste von der Schreiberei Bescheid. “ Ein Schreibwettbewerb! Das ist doch etwas Cooles!”, sagte Lisa voller Begeisterung. “Ich muss unbedingt daran teilnehmen! Und du solltest es auch mal versuchen!” “ neeeh … ich weiß nicht .. . An dem Wettbewerb nehmen sicher viele Kinder teil, die wahrscheinlich an einigen Schreibwerkstätten teilgenommen haben”, antwortete Kaya zögerlich. “Na und? Deine Aufsätze in Deutsch sind doch auch immer sehr gut, nicht wahr? Bitte lass es uns doch versuchen! Wir haben in den Faschingsferien genug Zeit dafür”, bohrte Lisa unberührt weiter. “Okay .. . lass uns es machen”, antwortete Kaya und insgeheim freute sie sich sogar über die Gelegenheit groß rauszukommen und vor allem es Lisa beweisen zu können, dass sie auch etwas gewinnen kann.
“Wir machen es aber einzeln und wir werden uns die Geschichten nicht vorher vorlesen”, schlug Kaya bestimmend vor. “Warum nicht? Bis jetzt haben wir es uns immer gemeinsam auf die Wettbewerbe vorbereitet? Im Team zu arbeiten macht doch mehr Spaß, meinst du nicht?”, fragte Lisa verwundert. “Eben .. . und dann hast du jedes Mal gewonnen!”, erwiderte Kaya. “Diesmal möchte ich auch eine Chance haben!” “Wie diesmal? Ich verstehe nicht was du meinst, aber gut -lass uns jede für sich arbeiten”, antwortete Lisa volle Hoffnung, dass die Freundinnen dennoch sich gemeinsam mit dem Wettbewerb beschäftigen werden. Die Mädchen liehen eine Menge Krimis für die Inspiration aus und sprachen nicht mehr über den
Wettbewerb. Nachdem Lisa nach Hause kam, machte sie sich sofort fleißig an die Arbeit und schrieb drei getippte Seiten. Sie war mit ihrem Werk sehr zufrieden und würde es gerne Kaya vorlesen um zu erfahren, was die Freundin von ihrem Krimi hält. Sie wunderte sich immer noch über Kayas Verhalten und verstand nach wie vor nicht, warum Kaya so abneigend auf die gemeinsame Zusammenarbeit reagierte. Sie hielt sich aber an die Absprache und wollte Kayas nächsten Schritt abwarten. Es sind einige Tage vergangen. Kaya konnte irgendwie mit dem Krimischreiben nicht anfangen. Es war wie verflucht, unter dem Druck fiel ihr keine spannende Geschichte ein. Sie zeichnete erst mal lieber Mangas und hoffte darauf, dass sie es doch noch irgendwie schafft, etwas Großartiges zu schreiben. Die Zeit verging und es blieben nur drei Tage bis zum Abgabeterm in. Kaya war sehr frustriert und hatte auch keine Lust sich mit Lisa zu treffen. Sie war sich sicher, dass Lisa längst vorbildlich mit ihrem Krimi fertig war. Die Vorstellung machte sie sogar wütend und sie konnte ihre negativen Gefühle nicht beherrschen. Lisa merkte es auch, dass ihre Freundin seit dem letzten Besuch in der Bibliothek nicht mehr so gut drauf war und die gemeinsamen Unternehmungen ihnen keinen Spaß mehr bereiteten. Lisa überlegte, ob sie Kaya fragen sollte, ob sie
gemeinsam zur Post gehen wollen um ihre Krimis abzuschicken. Sie wollte ihre Freundin aber nicht kränken. So wartete sie Kayas Reaktion ab. Bei dem nächsten Treffen fragte Kaya Lisa: “Und … bist du schon fertig mit deinem Krimi?”. “Ja … und ich würde ihn dir so gerne vorlesen!”, antwortete Lisa fröhlich. “Wenn du willst … aber erwarte nicht, dass ich dir meinen Krimi vorlesen werde. Wir haben eine Abmachung!”.
“Ja klar! “, sagte Lisa und holte ihr Krimi aus der Tasche raus. Lisa lass vor und Kaya spürte nur, dass sie immer wütender wurde. Der Krimi war, wie erwartet echt gut. “Lisa hatte wieder mal an alles gedacht. Gute Einführung, spannende Mitte und eine überraschende Auflösung.” sagte Kaya stillschweigend zu sich selbst. Sie stellte sich vor, dass das ihr Text wäre und freute sich insgeheim auf den Preis. Kaya konnte jedoch ihren Neid gut verstecken und nahm sich vor, die Freundin für ihre Arbeit erst mal zu loben. Gleichzeitig überlegte sie intensiv, wie sie vielleicht doch an dem
Wettbewerb teilnehmen könnte. Nachdem Lisa zu Ende vorlas, fragte sie voller Erwartung: “Und? Was meinst du? Ist es gut genug für den Wettbewerb?” “Es ist ganz Okay .. . leider hast du keine Zeit mehr, es noch zu verbessern”, erwiderte Kaya kühl. Lisa war ein wenig erstaunt über die begeisterungslose Antwort, da sie eigentlich mit ihrem Werk sehr zufrieden war. Andersrum hielt sie sehr viel von der Meinung ihrer Freundin.
“Oh!?!. .. Na ja … ich muss es dann eben so abgegeben … ich bin mir sicher, dein Krimi Kaya wird sicher ein Bestseller!”, sagte Lisa zögerlich und führte gleich weiter fort: “Ich habe aber noch ein Problem, ich muss gleich mit meinen Eltern nach Italien verreisen. Meine Großmutter ist krank geworden. Ich befürchte, ich schaffe es nicht mehr zur Post. Hast du schon dein Krimi abgeschickt?” Kaya überlegte kurz, ob sie Lisa die Wahrheit sagen soll. Plötzlich hatte sie eine Idee und die Lösung für ihr Problem.
“Nein noch nicht, ich kann aber gerne deinen Krimi mitnehmen”, antwortete sie fröhlich, nahm den Text aus Lisas Hand und verabschiedete sich von ihrer Freundin:” Ich wünsche deiner Oma gute Besserung und keine Sorge, ich bringe es heute noch zur Post!” Kaya war wie verwandelt. Sie lief schnell nach Hause und überschrieb Lisas Krimi ein wenig um. Auf dem
Deckblatt schrieb sie ihren Namen. Die Sache war perfekt! Kaya brachte den Krimi zur Post und schrieb an Lisa eine sms “alles okay-der Krimi ist auf dem Weg zur Jury!” Nach Lisas Rückkehr aus Italien sprachen die Freundinnen nicht mehr über den Wettbewerb. Beide mussten viel lernen und hatten wenig Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Ein paar sms mussten reichen. Das war nicht ungewöhnlich in dem stressigen Schulalltag. In den Pfingstferien fuhr Lisa mit ihren Eltern wieder zu der Großmutter nach Italien. Lisas Oma war sehr krank und es war vielleicht der letzte Besuch bei ihr in Italien. Lisa war deswegen sehr traurig und vergaß bei der ganzen Aufregung den Wettbewerb. Erst als sie im Radio hörte, dass Kaya in ihrer Altersgruppe gewonnen hatte, erinnerte sie sich daran wieder. Sie war ziemlich stolz auf Kaya und es machte ihr nichts aus, dass sie nicht gewonnen hat. Es fiel ihr aber ein, dass sie
Kayas Krimi gar nicht gelesen hatte. Sie freute sich sehr, dass Bayern 2 eine Lesung der Sieger-Krimi aussendete. Sie hörte voller Erwartung zu. Nach ein paar Minuten erkannte sie mit Erstaunen, dass es sich bei dem Krimi um ihre eigene Geschichte handelte. Es war doch unmöglich, dass Kaya eine ähnliche Idee hatte! Lisa wusste nicht, ob sie weinen oder sich aufregen sollte. Sie entschied sich für beides: sie Fluchte, heulte und war ziemlich enttäuscht von Kaya. Sie konnte nicht mehr ruhig sitzen und suchte nach einer Möglichkeit es Kaya heim zu zahlen. Um freien Kopf zu bekommen ginge sie am Strand spazieren. Als sie am den Ufer entlang gang, fand sie eine Muschel. Die Muschel war sehr schön und kam Lisa irgendwie bekannt vor. Lisa legte sich in den warmen Sand und versuchte sich zu erinnern, was sie von der Muschel weiß. Es war eine gute Ablenkung um nicht an Kayas Verrat zu denken. Lisa machte die Augen zu und bemühte sich zu entspannen.
Lisa erinnerte sich, dass der Bio-Lehrer mal erzählte, dass diese Art von Muschel zu der Paarungszeit einen speziellen Geruch verbreiten kann, der bei Menschen einen fürchterlichen Lachanfall hervorruft. Man kann mit dem Lachen nicht aufhören. Die Lachmuskeln krampfen so stark, dass man keine Luft mehr
bekommt und es tatsächlich tödlich enden kann. “Wie für die perfekte Rache geschaffen!”, dachte Lisa zufrieden und ohne lange zu überlegen nahm sie behutsam die Muschel ohne an ihr zu riechen. Sie verpackte sie in eine schöne, luftdichte Schachtel und verschickte sie mit einem Gratulationsschreiben an die Gewinnerin Kaya.
Kaya verbrachte die Ferien, wie immer zu Hause. In diesem Jahr aber hatte sie einen Grund zur Freude. Sie wurde zu der Krimi-Schreibwettbewerb-Gewinnerin gekrönt. Kaya freute sich sehr über Lisas Geschenk und war sich sicher, dass Lisa in Italien von dem Schwindel nichts mitbekommen hat. Sie nahm sich vor, das Geschenk erst am Abend auszupacken und ging erst mal mit ihren Freunden in dem Garten zu feiern. In der Zwischenzeit packte Kayas neugierige kleine Schwester Nuria das Päckchen auf. Nuria war begeistert von der bunten Muschel und wollte diese an ihr Ohr halten. Dabei strömte der Duft der Muschel in Nurias Nase ein. Sie bekam ein Gefühl der Leichtigkeit und Freude. Sie musste plötzlich laut anfangen zu lachen und fand es Erst mal sogar witzig. Langsam entwickelte sich das Lachen zu einem Lachanfall Nurias Lachmuskeln taten fürchterlich weh und sie hatte Schwierigkeiten zu atmen. Nuria keuchte und schnappte nach Luft. Kaya hörte erst mal verwundert der lachenden Schwester zu und sah durch das Fenster, wie Nuria almähnlich rot anlief. Mit einem Blick auf die Muschel verstand Kaya sofort, was die Ursache für den Lachanfall war. Kaya rief schnell den Notarzt an aber jede Hilfe kam zu spät. Kayas Schwester Nuria war Tod. Neben der tiefen Trauer verspürte Kaya nur Empörung und Wut auf Lisa. Die ganze Familie trauerte und niemand wusste wie das geschehen konnte. Niemand außer Kaya, die geschworen hatte Nurias sinnlosen Tod zu rächen. Nach den Ferien ging die ahnungslose Lisa wie gewöhnlich in die Bibliothek. Als Lisa Kaya gesund sah, war
sie voll enttäuscht, dass die ganze Sache mit dem Muschelduft offensichtlich nur ein Geck war. Sie nahm sich vor Kaya zur Rede zu stellen. Lisa kam wütend auf Kaya zu und schrie sie ohne zu begrüßen gleich heftig an: “Du Geschichten- Diebin! Wie kommst du dazu meinen Krimi als deine Geschichte rauszugeben! Ich sollte den Preis gewinnen. Du wirst nicht unbestraft davon kommen!” Lisa brüllte immer lauter, so dass alle in der Bibliothek es hören könnten: “Ich schwöre es dir! Du wirst es noch bereuen!” Kaya schaute traurig in Lisas Richtung und fing an zu weinen. Die Bibliothekarin umarmte Kaya und sprach ihr ein Beileid wegen Nurias Tod aus. Danach schimpfte sie über Lisas Verhalten: “Schämst du dich nicht
deine Freundin so anzuschreien! Sie muss jetzt den schrecklichen Tod ihrer Schwester verkraften und braucht
Zuwendung.” Lisa schaute verdutzt die Bibliothekarin an und fragte stillschweigend mit großen Augen, worum es geht? “Weißt du nichts davon?”, fragte die Frau. “Kayas Schwester ist aus unerklärlichen Gründen vor Lachen erstickt.” Die Bibliothekarin ging wieder zum Tresen. Lisa begriff aber sofort, was zu Nurias Tod geführt hat. Sie bekam dabei Gewissensbisse, da sie die kleine Nuria sehr mochte. Gleichzeitig war sie jedoch froh Kaya leiden zu sehen.
Kaya zog die verblüffte Lisa in einen leeren Leserraum rein. Sie schaute ihr tief in die Augen und holte dabei aus der Hosentasche ein kleines Päckchen raus. Anschließend sagte sie leise mit mürrischer Stimme: “Hier, das ist der Gewinnerpreis – du sollst auch was davon haben!”
Lisa nahm die Schachtel verwundert an sich und öffnete sie ohne nachzudenken. Dabei entfaltete sich in dem Zimmer ein eigenartiger Geruch. Kaya hielt sich die Nase zu, sprang schnell zu Seite und sperrte Lisa in dem Raum ein. Für Lisa war es zu spät, sie fing an zu lachen, bekam furchtbare
Krämpfe und spürte nach und nach, wie sie langsam erstickte. Sie begriff allmählich, wie schmerzvoll das Lachen sein kann. “So sollte es nicht enden! Nicht ich, sondern du Kaya solltest vom Lachen sterben! Du hast mich doch betrogen und eine Strafe verdient!” schrie die verzweifelte Lisa in Gedanken in ihren letzten Sekunden. Kaya stand hinter der Glastür und schaute der sterbenden Lisa zu. Sie zischte mit leise Stimme in Lisas
Richtung: “Und das ist meine Krimi-Geschichte, mit der würde ich sicher gewinnen! Gewinnen für Nuria!” Lisa wachte auf, um sie herum gab es nur Sand und Wasser, in der Hand hielt sie eine bunte Muschel. Lisa erschrak kurz und begriff aber schnell, dass alles was sie eben erlebt hatte nur ein grausamer Traum war.
Sie war noch ein wenig enttäuscht von Kaya, nahm sich aber vor der Freundin die Chance zu geben alles selbst zu erklären. Letztendlich gewann doch Lisas Krimi und Kaya ist nur die offizielle Preisträgerin. Lisa packte lächelnd die schöne Muschel in ein Päckchen ein und schickte diese samt einem Gratulationsschreiben an Kaya ab. “Es ist doch ein schönes Geschenk für die beste Freundin”, sagte sie zufrieden zu sich selbst. “Wer zuletzt lacht, der lacht am besten”, lachte Lisa innerlich und schrieb die eben geträumte Geschichte für den nächsten Krimi Wettbewerb auf.

Minou Kabir Khalili hat den 1. Preis in der Altersgruppe der 9 bis 10 Jährigen gewonnen.