Ella, Hanna und die verschwundenen Katzen

Es war ein warmer Ferientag. Die beiden Freundinnen Ella und Hanna gingen mit dem Nachbarshund Leo spazieren.
Als sie nach einer Weile einen Zettel an einem Laternenpfahl entdeckten, blieben sie stehen, um ihn zu lesen. Aber dieses mal war es nur einer bei dem eine Katze gesucht wurde. „Komm, da gibt es nichts spannendes'' behauptete Ella. Hanna seufzte „na gut wir gehen weiter.'' Nach einer Viertelstunde bellte Leo los. Er riss sich von der Leine und rannte die Straße entlang. Die Mädchen liefen dem Hund hinterher. Nach fünf Minuten blieben sie keuchend stehen und sahen was Leo gewittert hatte: eine schwarz weiß gefleckte Katze lag halb tot auf der Straße. Den Freundinnen stiegen Tränen in die Augen. „Da!'', Hanna unterbrach die Stille. Sie zeigte auf einen Karton der etwas abseits von der Straße lag. „Lass uns die Katze zum Tierarzt bringen.'' Sie holten den Karton und Hanna nahm zwei Taschentücher aus der Hosentasche. Sie legte die Katze behutsam in den Karton. Ella nahm Leo an die Leine und die beiden Mädchen stiegen in den Bus, der zum Tierarzt fuhr.

Als sie ausstiegen lag ein großes Gebäude vor ihnen. Sie fuhren mit dem Aufzug in den dritten Stock, meldeten sich an und setzten sich mit Leo an der Leine ängstlich ins Wartezimmer. Als sie aufgerufen wurden, kamen sie mit Schweiß auf der Stirn ins Behandlungszimmer. Der Tierarzt war groß, dünn und lächelte sie freundlich an. Er zog sich Handschuhe an und nahm die immer noch erschöpfte Katze aus dem Karton. Er untersuchte sie sorgfältig und erklärte dann etwas nervös: „Mit der Katze ist alles in Ordnung. Aber sie ist sehr erschöpft.“ Den Kindern fiel ein Stein vom Herzen. Der Arzt sprach weiter: „Am besten ruft ihr die Besitzer an und bringt die Katze zurück. Die Telefonnummer der Besitzer ist hier am Halsband der Katze notiert. Dorthin schicke ich auch die Rechnung meiner Behandlung.“ Die beiden Freundinnen bedankten sich und gingen aus dem Behandlungszimmer. Sie fuhren zurück ins Erdgeschoss und Ella nahm ihr Handy aus der Tasche. Sie sprach eine Weile. Als sie dann auflegte, sagte sie: „Wir sind bei Saft und Kuchen in der Mariastraße 67c eingeladen.“ „Gut, dann lass uns los fahren“. Sie stiegen mit Leo an der Leine und der Katze im Karton in den Bus, der zur Mariastraße fuhr. Dort angekommen mussten sie noch ca. drei Minuten Fußmarsch zurücklegen bis sie schließlich vor dem Haus mit der Nummer 67c standen. Sie klingelten und eine sehr nett aussehende junge Dame öffnete ihnen die Tür. Sie begrüßte die Mädchen freundlich „Hallo, ihr beiden. Oh, ihr habt ja noch einen Hund dabei, kommt rein und nehmt ihn mit. Ich habe zufällig noch Hundefutter bei mir, das meine Freundin neulich bei mir vergessen hat.“ Die Mädchen bedankten sich, zogen sich die Sandalen aus und gingen ins Haus. Sie erklärten der neugierigen und überglücklichen Frau alles, was vorgefallen war und nach einer halben Stunde verließen sie das Haus wieder, froh und auch etwas stolz, dass Besitzerin und Katze wieder beisammen waren. Hanna tätschelte Leo den Kopf „super hast du das alles heute gemacht!“ Zusammen fuhren sie zu Ella nach Hause.

Ella rührte gerade Pfannkuchenteig an als Hanna murmelte „Das kann doch nicht sein!“. „Was kann nicht sein?“fragte Ella nach.,,Guck mal,da vorne“ sagte Hanna und zeigte auf einen Laternenpfosten an dem ein weißer Zettel hing, auf dem eine orange getigerte Katze abgebildet war. „Na und, so etwas hängt hier in letzter Zeit immer rum!“ erwiderte Ella. „Mann, Ella, denk doch mal nach! Überall Zettel mit vermissten Katzen drauf und eine halbtote Katze auf der Straße! Und ich wette, das war noch lange nicht alles!“. Hanna sprach weiter: „Weißt du was? Wie wäre es, wenn wir uns diesem Fall widmen und ein Detektivbüro eröffnen würden?“. Ella überlegte kurz, dann erwiderte sie: „das mit dem Detektivbüro finde ich gut. Aber was meinst du mit „dem Fall“? Wir haben keinen „Fall“.“
„Ella, hast du es immer noch nicht kapiert?“, Hanna wurde lauter. „Ach so, du meinst…“ begann Ella. „Ja, genau das!“ unterbrach Hanna sie. „Ich will wissen, wer die Katzen quält! Ich bin mir sicher, dass das alles nicht einfach so passieren kann! Warum verschwinden so viele Katzen? Warum liegt die Katze, die wir gefunden haben, halbtot auf der Straße?“. Ella nickte: „Okay, ich bin einverstanden. Lass uns gleich morgen loslegen!“ „Prima, ich habe viele Bücher über Detektivarbeit zuhause, die bring ich morgen mit“ entgegenete Hanna.

Am nächsten Tag brachte Hanna einen Stapel Bücher mit. „Alles was ein Detektiv braucht und wie man vorgehen muss“, sagte sie. Ella schaute zerknirscht: „Mann, es tut mir echt leid, aber daraus wird heute nichts mehr. Ich muss meiner Tante noch einen Katzenkorb kaufen und danach meiner Mutter helfen“, entschuldigte sie sich. „Ach, passt schon“ winkte Hanna ab, „dann gehen wir zusammen zur Zoohandlung. Komm!“
Als sie in der Zoohandlung angekommen waren, sahen sie sich hilfesuchend um. Wo gab es denn nur einen geeigneten Katzenkorb? Da hörten sie plötzlich eine ihnen bekannte Stimme. „Das ist doch der Tierarzt!“ zischte Hanna Ella zu. „Aber der sieht doch ganz anders aus“ behauptete Ella. „Da stimmt etwas nicht, Ella! Komm, wir verfolgen ihn!“
Sie verfolgten den Mann an der Bücherei vorbei und die Buchenallee hinunter. „Hast du gestern nicht gemerkt, dass der Tierarzt nervös war?“ wisperte Hanna. „Doch“ entgegnete Ella, „aber das ist doch nicht gleich verdächtig“. „Ella, denk nach!“ Hanna sah Ella eindringlich an. „Mach ich ja, aber….Ach so!“, Ella nickte wissend, „du meinst….“. Weiter kam sie nicht. „Pst, da“, unterbrach Hanna sie und zeigte nach vorne. Der Mann öffnete ein Gartentor und ging in das dahinterliegende weiße Haus.
Ein paar Minuten später, die Mädchen wollten gerade wieder heim gehen, kam er wieder heraus. „Mensch, Ella, jetzt sieht er wieder normal aus. Das ist der Tierarzt! Wieso verkleidet er sich? Komm, wir verfolgen ihn!“, zischte Hanna. „Nein, lieber nicht. Schreib einfach die Hausnummer auf den Zettel, den du mitgenommen hast. Jonasplatz 19. Ich muss nach Hause, meiner Mutter helfen.“ entgegnete Ella.
Die beiden Mädchen verabredeten sich für nachmittags und verabschiedeten sich voneinander.

Am Nachmittag klingelte es bei Ella an der Tür. Ellas Mutter, die gerade einen Kuchenteig anrührte, öffnete die Tür: „Ah, hallo Hanna, komm rein.“, sie winkte Hanna zur Tür rein und rief ins Haus: „Ella, Hanna ist da!“. Keine zwei Sekunden später stand Ella bereit: „Hi Hanna, wir können los.“. „Wohin wollt ihr beiden denn?“ fragte Ellas Mutter, „ich backe doch gerde Kuchen. Wenn ihr wartet, bekommt ihr ein Stück. Warm schmeckt er doch am besten“. „Ach, wir wollen Eis essen, Mama, es ist so heiß“, entgegnete Ella schnell. Die beiden Mädchen verabschiedeten sich von Ellas Mutter und gingen los in Richtung Jonasplatz. „Achtung, der Tierarzt kommt aus dem Haus!“, Ella zog Hanna mit sich hinter eine Hecke. Als der Tierarzt um die nächste Ecke gebogen war, schlichen Ella und Hanna in den Garten des Hauses mit der Nummer 19. Sie entdeckten ein offen stehendes Fenster. „Komm, lass uns eine Räuberleiter machen“ zischte Ella. „Okay, aber du gehst rein“ entgegnete Hanna. „Meinetwegen, aber dann los!“ Ella stieg zuerst auf Hannas Hände und hievte sich dann in das Haus. Sie drehte sich um und meinte: „geh du vors Haus und steh Schmiere, Hanna. Und gib mir Bescheid, wenn jemand kommt!“.
Dann sah sie sich im Raum um. Was sie dort sah, ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen! Überall Katzen in kleinen Käfigen! Ella meinte, die Katzen zu erkennen, die gerade vermisst wurden, aber sie sahen verändert aus: manche waren blutig, andere lagen nur erschöpft da. Aber das schlimmste war eine Katze mit offenen Augen, die offensichtlich tot war! Ella zog ihr Handy aus der Tasche und machte schnell ein paar Fotos. Da hörte sie plötzlich eine Tür knarzen. Schnell schickte sie Hanna eines der Fotos und im letzten Moment noch die Nachricht „SOS“.
Im nächsten Moment ging die Tür auf und der Tierarzt stand im Raum. „Wer bist du und was machst du in meinem Haus?“ rief er. „Ich, ich…“ stotterte Ella. „Bist du nicht das Mädchen, das gestern bei mir in der Praxis war? Die mit der erschöpften Katze?“, der Tierarzt wurde lauter. „Nein, nein, sie müssen mich verwechseln“ entgegnete Ella und sah sich nach einem Ausweg um. Doch sie war zwischen der Wand und der Tür, die der Tierarzt versperrte, eingekesselt. „Ich würde jetzt gerne gehen. Meine Mutter wartet mit Kuchen auf mich.“, Ella ging Richtung Tür. Doch der Tierarzt hielt sie fest „Nicht so schnell, kleines Fräulein, du hast zu viel gesehen“, zischte er. Der Tierarzt packte Ella am Kragen und zerrte sie in einen dunklen Raum. Ella hörte den Schlüssel im Schloss, dann war sie allein. Sie tastete im Dunkeln nach einem Lichtschalter. Nichts.
Plötzlich hörte sie ein Martinshorn und kurze Zeit später die Türklingel. „Ja, Hanna hat meine Nachricht bekommen und die richtigen Schlüsse gezogen“, dachte sie erleichtert, „jetzt wird alles gut.“ „Ella! Ella!“ schon hörte sie eine ihr bekannte Stimme rufen. „Hanna! Ich bin hier, ich bin hier!“ rief Ella und hämmerte gegen die Tür. Der Schlüssel in der Tür wurde gedreht und Hanna stand in der Tür. Die beiden Freundinnen fielen sich in die Arme. Vor der Tür wartete eine Polizistin. Die Tür zu dem Zimmer mit den Katzen stand offen. „Unglaublich! All die armen Katzen!“, die Polzistin wirkte verstört. „Warum haben Sie die Katzen entführt und gequält?“ rief Hanna dem Tierarzt, der gerade in Handschellen abgeführt wurde, hinterher. Der Tierarzt blieb stehen, schaute kurz auf und murmelte: „ich habe Geld gebraucht. Und wenn immer mehr Leute wegen der verletzten Katzen zu mir gekommen wären, hätte ich viel Geld verdient und meine Schulden bezahlen können. Aber dann musstet ja ihr kommen!“. Die beiden Mädchen sahen sich stolz an. „Okay, wir bringen jetzt den Tierquäler auf die Wache und euch nochmal vielen Dank! Das habt ihr toll gemacht!“, die Polizistin schüttelte Ella und Hanna die Hand. „Kein Problem, das haben wir gerne gemacht! Und wir feiern unseren ersten Fall!“ verkündete Ella. „Aber davor müssen wir unseren Eltern noch was beichten….“ Hanna und Ella mussten lachen.

Zu Hause, bei Ella angekommen, standen Ellas Eltern schon vor der Haustür und riefen ihnen besorgt und erleichtert entgegen: „Wo wart ihr denn? Wir waren schon bei der Eisdiele, aber da wart ihr nicht! Auch Hannas Eltern wussten nicht wo ihr seid, sie müssten gleich hier sein“. Als die Mädchen Ellas Eltern gerade alles erklären wollten, klingelte es an der Haustür und Hannas Eltern stürmten hinein. Die beiden Mädchen berichteten stolz von ihrem ersten Fall. „Das muss gefeiert werden! Lasst uns ein Eis essen gehen. Und unsere beiden Detektive bekommen einen extra großen Eisbecher!“ verkündete Hannas Vater. Ella und Hanna schauten sich glücklich und auch ein bisschen stolz an.

Emma von Staden und Anna Carlotta Fröhlich haben den 2. Preis der Altersgruppe der 9 + 10 Jährigen gewonnen