Ein sinnloses Blutvergießen

Schottland, St Andrews, 15. April 1932 6:27 p.m.
Es schüttete, als hätten sich die Schleusen des Himmels geöffnet. Eigentlich wollte Matthew Dashwood bei diesem Wetter lieber bei einer heißen Tasse Tee vor seinem warmen Kamin sitzen, doch dies war ihm leider nicht vergönnt. Er musste noch unbedingt einen wichtigen Klienten besuchen; das ließe sich auf morgen nicht mehr verschieben. Der selbstständige Steuerberater seufzte: Bei der Prüfung der Finanzunterlagen McGorymans hatte er zuerst nur einige kleinere Ungereimtheiten festgestellt. Als er dann ins Detail ging, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Der berühmte Schauspieler, OSCAR®-Preisträger und Vorsitzender des einflussreichen Traditionsvereins ,,Scotch and Kilts” war nicht nur pleite, sondern bis in die Grundmauern seines stattlichen Anwesens bankrott und was vielleicht noch schlimmer war, mit Blick auf den exzentrischen Lebensstil mit Herrenhaus, Rolls Royce und Butler musste Matthew wohl davon ausgehen, dass der alte Herr nicht den leisesten Schimmer von seiner Lage hatte.
Der Regen konnte noch die ganze Nacht dauern! Herauszögern nützte ihm also gar nichts. Er stand von seinem großen Eichenholzschreibtisch auf, nahm Mantel und Hut und seinen Aktenkoffer, in welchem sich die Aufstellung des nicht vorhandenen McGorymanschen Vermögens befand. Dann öffnete er höchst widerwillig die Tür der Kanzlei, schnappte sich noch einen Regenschirm, der in einem kleinen Regal direkt neben der Tür lag, und öffnete ihn. Eine kalte Meeresbrise wehte ihm ins Gesicht. Ein wahres Sauwetter war es und er musste zu Fuß bis vor zur großen Klippe! Ihm grauste wahrlich. Aber es musste nun mal sein, da gab es keinen Ausweg. Er ging die gepflasterte, kleine Gasse hinunter, immer auf den Stadtrand zu. Er ging, sobald er die Stadt verlassen hatte, immer in Richtung des Manor House, auf einem breiten Schotterweg. Als er nach einem anstrengen Marsch völlig durchnässt ankam, betätigte er den Türklopfer. Niemand öffnete. Er klopfte noch einmal, diesmal viel länger und stärker. Langsam wurde er ungeduldig. Wieso ließ denn der Butler des alten Witwers ihn so lange warten? War der Butler heute schon um sieben Uhr nach Hause gegangen? Grimmig stapfte er die Auffahrt zurück zum Torhaus, indem der Butler allein wohnte. Dieser war eigentlich fast immer für den Alten da, meist schon ab sechs Uhr morgens und bis abends um neun. Aber nachts wollte der Butler einmal auch seine Ruhe haben von dem Griesgram. Als er am Torhaus angekommen war, läutete er die alte, mechanische Klingel. Es dauerte eine Weile, dann öffnete Mr Mendig die Tür. Er sah gar nicht gut aus. Er hatte eine ganz rote Nase, war ganz blass und müde, machte einen ganz verschlafenen Eindruck und hatte ganz kleine Augen. Außerdem konnte er kaum aufrecht stehen. Kurz, er sah aus wie der wandelnde Tod. ,,Oje” sagte Matthew, ,,Sie haben aber eine ganz schlimme Grippe!” ,,Jaja, ich weiß schon, jetzt sagen Sie mir aber, warum Sie mich hier besuchen! Es hat ja sicher nichts mit meiner Steuererklärung zu tun, Mr. Dashwood?” krächzte er. Nachdem Matthew die einzige Steuerkanzlei im Ort hatte, war jeder, der ein bisschen was zu versteuern hatte, bei ihm Klient, um dem verhassten britischen Staat so wenig überlassen zu müssen, wie nötig. ,,Nein, gar nicht, sagen Sie, Sie arbeiten doch noch beim alten McGoryman?” ,,In diesem Zustand natürlich nicht, aber normalerweise schon, ja! Aber was kommen Sie denn da zu mir, Sir? Ist ihm etwas zugestoßen?” Letzteres klang fast ein wenig hoffnungsvoll. ,,Nein, Sir, aber es könnte sein, denn ich habe mehrmals geklopft, aber es kommt niemand und öffnet! Ist er vielleicht verreist?” ,,McGoryman verreist! Davon wüsste ich! Wie oft haben Sie denn geklopft?” ,,Zwei-, dreimal, Sir!” ,,Und wie lang haben Sie gewartet?” ,,Sicher zehn Minuten!” ,,Der Alte hört einfach nicht mehr so gut! Ein wenig seltsam ist aber doch! Ist es denn sehr dringend?” ,,Ja, auf jeden Fall!” ,,Well! Warten Sie mal! Ich habe einen Schlüssel. Schauen Sie zur Sicherheit mal nach dem Rechten!” Er drehte sich um und humpelte zurück in die Wohnung. Als er zurückkam, hatte er einen großen, angelaufenen Silberschlüssel dabei und gab ihn Matthew murmelnd: ,,Komisch, monatelang besucht uns kein Mensch und kaum bin ich mal krank, rennen sie dem Alten die Tür ein!”
Dieser bedankte sich, drehte sich um und machte sich wieder auf den Weg zum Manor House. Er betätigte noch einmal ganz laut und oft den Türklopfer und wartete erneut fünf Minuten. Dann reichte es ihm und er schloss das rostige, große Eingangstor auf.
Er betrat völlig durchnässt die Eingangshalle. Sogleich rief er in die Stille hinein: ,,Hallo, Mr. McGoryman!” Niemand antwortete. Er rief erneut, diesmal allerdings viel lauter: ,,HALLO?” Wieder keine Antwort. Er trat in das Treppenhaus, aus welchem vier Türen und zwei Treppen weggingen. Er trat durch die geöffnete Tür auf der linken Seite. Es war das Esszimmer mit einer weiteren, kleineren Tür zur Küche. Es gab auch noch ein großes Portal zum living room, doch nirgendwo war irgendjemand. Ihm war ganz flau im Magen. Wo war dann der alte Mr McGoryman? Bei dem Wetter wäre er sicher nicht für einen Spaziergang vor die Tür gegangen. Außerdem hatte Matthew seinen Besuch schon angekündigt! Er ging nach oben zu den bedrooms und durchsuchte weiter das Haus. Niemand. Hinter der letzten Tür musste der bathroom sein: Als er das Badezimmer betrat, bekam er einen Schock. Es sah aus wie in einem Schlachthaus. Alles voller Blut: auf dem Boden, in der Badewanne, worin im tiefroten Wasser McGoryman lag: Ein Arm baumelnd über den Beckenrand, die Pulsader der Länge nach aufgeschnitten, die Stirn aufgeschlagen, der Kopf unnatürlich verdreht.
Matthew wurde schlecht! Er ging zwei Schritte rückwärts aus dem Bad und setzte sich im Treppenhaus auf den Boden.
Eine Stunde später hatte Matthew genug von der Fragerei der Polizisten. Für chief inspector Lestrade war es ein klarer Fall: Eindeutig Selbstmord. Spätestens nach dem Matthew ihm auf die Frage für mögliche Gründe die finanzielle Lage des alten Herrn erläutert hatte, war die Sache klar und konnte zu den Akten gelegt werden. ,,Sergeant McCallen holen Sie bitte den Arzt für den Totenschein, Totengräber und dann die Putzfrau. Aber bitte genau in der Reihenfolge! Dann erkundigen Sie sich bitte nach Angehörigen – jemand muss sich, auch wenn's nichts zu holen gibt, schließlich um die Beerdigung kümmern.” Hoffentlich wird dies nicht wieder mal die Staatskasse belasten, dachte sich der Inspector noch im Geheimen.
Matthew kehrte erschöpft nach Hause zurück. Immer noch geschockt vom Erlebten trank er zuerst mal einen starken Scotch Whisky. Danach legte er sich in sein Bett. Ein unruhiger Traum verfolgte ihn: Blut, eine OSCAR®-Statue, ein Schlachtermesser, eine blutende Badewanne – alles verschwamm vor seinem geistigem Auge.
Am nächsten Morgen, Punkt acht Uhr, saß er wieder in seiner Kanzlei, mit schwerem Kopf, aber äußerlich so, als wäre nichts gewesen. Matthew kämpfte aber immer noch mit der Verarbeitung des Unglücks: Irgendetwas passte nicht! Er versuchte sich trotzdem auf seine Arbeit zu konzentrieren und sortierte noch ein paar Unterlagen eines Mandanten, der heute wegen einer schwierigen Angelegenheit kommen wollte. Da klopfte es. ,,Herein!” Der Inspector Lestrade trat ein. ,,Well, noch ein paar Routinefragen!” ,,Wenn es denn sein muss!” antwortete Matthew gereizt. ,,Wann haben Sie den Toten entdeckt?” ,,Gegen sieben Uhr dreißig muss es wohl gewesen sein! Warum?” ,,Nun ja, der Arzt hat gemeint, er wäre schon drei Stunden tot gewesen, als Sie ihn entdeckt haben – komisch ist nur, sein Blut war noch nicht mal geronnen! Aber auf diese Quacksalber ist wohl kein Verlass! Nachdem nichts zu erben ist, warum sollte den alten Geizhals jemand umbringen?! Alles Humbug! Der Fall wird eingestellt!”
Als der Herr wieder gegangen war, schaffte er es erst recht nicht, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Er seufzte laut und rief seine Mandanten an, die heute einen Termin hatten und sagte ihnen, er nehme sich frei. Der Regen hatte gestern noch aufgehört und heute schien die Sonne, somit beschloss er, spazieren zu gehen. Ein wenig frische Luft würde ihm guttun, um seine Gedanken zu sammeln. Aber der Selbstmord ging ihm nicht aus dem Kopf. Er ging Richtung Wald, den Hügel hinauf, wie immer. Es war ein gutes Gefühl, oben auf dem Hügel am Waldrand zu stehen und die leichte Meeresbrise sich ins Gesicht wehen zu lassen. Dennoch, das Bild des Toten konnte er auch in dieser schönen Landschaft nicht loswerden. Was, zum Teufel, stimmte nicht? Von seinem Bankrott wusste McGoryman eigentlich noch nichts, warum hätte sich umbringen sollen? Die Platzwunde auf der Stirn! War er in der Badewanne ausgerutscht und vor seinem Selbstmord noch gestürzt? Aber wie konnte er sich dann noch die Pulsadern aufschneiden? Er hätte
vorher im Stehen sich den langen Schnitt zufügen müssen, um dann zu stürzen! Das gibt keinen Sinn, dachte sich Matthew: Niemand stellt sich in Badewanne, lässt Wasser ein, um sich dann zu töten! Außerdem hatte er die Verletzung auf der Stirn, wurde aber dann auf dem Rücken liegend in der Wanne gefunden. Beide Verletzungen widersprachen sich! Außerdem, wo war eigentlich das Messer geblieben? Er konnte sich noch so das Hirn zermartern, ein Messer hatte er nicht gesehen. Es musste noch Tatort liegen!
Matthew rannte wieder zurück zum Manor House. Vor dem Haus traf er den Sergeant, der gerade die Putzfrau ins Haus ließ. ,,Das ist polizeiliches Sperrgebiet! Tut uns leid, ich kann Sie nicht ins Haus lassen!” ,,Ich… ich suche seit gestern meine Aktentasche. Ich muss sie gestern im Haus stehen lassen haben. Es sind wichtige Unterlagen darin. Ich wollte nur sichergehen, dass sie nicht hier ist!” Er war selbst von sich erstaunt, dass er nichts von seinen Überlegungen erwähnte. Aber er wollte sichergehen ohne am Ende als der Dumme dazustehen. Schnell ging er hoch ins Bad. Auch ohne Leiche war der Anblick schrecklich – alles voller Blut. In der Wanne stand immer noch das rote Wasser, die Blutlache am Boden war mittlerweile zu einem hässlichen braunen Fleck geronnen. Er atmete einmal tief durch, dann fing er an zu suchen: Dort lag das Messer weit hinten unter der Badewanne! Kein Wunder, dass er es gestern nicht gesehen hatte. Wie konnte das Messer soweit nach hinten rutschen? Vorsichtig fischte Matthew das Messer hervor: ,,Butcher's Best” stand auf dem Messer geschrieben. Matthew wurde stutzig und ging wie in Trance hinab in die Küche des Manor House. Auf dem Weg dorthin ging er auch durch das Treppenhaus. Aber wo war denn der Oscar, der normalerweise auf dem Sockel stand? Damit konnte er sich jetzt aber nicht beschäftigen, deshalb machte er sich auf den Weg in die Küche. Da stand der Messerblock, kein Messer fehlte. Auf diesen stand: ,,Sheffield Bronson&Sons Knifes by appointment of the majesty King George V.” Nun war sein detektivischer Spürsinn geweckt. Sollte er die Polizei informieren? Besser nicht, bisher hatte er nichts Handfestes.
Matthew beschloss, dem Butler einen Besuch abzustatten, um sich nach dem Messer zu erkundigen. Da er das blutige Messer nicht durch die Kleinstadt tragen wollte, wischte er die Klinge an einem Küchentuch ab. Dann ging er erneut zu dem kleinen Torhaus. Der immer noch kranke Butler öffnete ihm verschlafen die Tür. ,,Entschuldigen Sie, wenn ich noch einmal Ihre Ruhe störe, Sir, aber Sie haben sicher schon von dem furchtbaren Vorfall gehört.” ,,Aber ja doch! Die Polizei hat mich heute Vormittag informiert. Jetzt bin ich arbeitslos! Ich weiß ja gar nicht, was ich auf meine alten Tage noch machen soll! Genügend Geld, um mich einfach zur Ruhe zu setzen, habe ich auch nicht! Gut hat er mich nie bezahlt und jetzt hinterlässt er mir nicht einmal ein bisschen!” Er unterhielt sich noch mit dem Butler über dies und das. Hauptsächlich beschwerte dieser sich aber über seinen ehemaligen Chef: ,,Hat sich vor wenigen Wochen noch einen ganz teures Auto gekauft, einen Rolls Royce, damit er zu den ersten gehören kann in der Stadt, die so eins besitzen! Also, wenn Sie mich fragen, das Automobil hat keine Zukunft!” ,,Ach, fast hätt' ich es vergessen, vorhin fand ich ein Messer, hier am Schotterweg zu ihrem Haus. Gehört das zum Manor House? Oder ist das vielleicht Ihres? Sehen Sie, Sir… “ Er holte das Messer hinter seinem Rücken hervor. ,,Hm. Nein, zum Manor House gehört das nicht, zu meinem Haushalt erst recht nicht. Ah! Ein ,Butcher's Best'! Mein Cousin ist Schlachter in Glasgow und schwört auf diese professionellen Messer! Sie können es gerne behalten! Ich denke, wenn es hier am Wegrand lag, wird es niemand vermissen!” ,,Danke für die Information. Als ich gestern kam haben Sie gesagt, es wären schon welche vor mir da gewesen, Sir. Wer war denn das alles? Vielleicht gehört jemandem das Messer?” ,,Ach, das könnte sein! Es war nämlich der Metzger da, er hat seine Monatslieferung Haggis abgegeben! Kann sein, dass er ein Messer dabei hatte. Er schlachtet, wie Sie sicher wissen, auch selber!” Mr Mendig hustete. ,,Sie sollten nun besser wieder ins Bett gehen und sich gründlich auskurieren!” ,,Sie haben Recht, Sir! Ich lege mich nun besser wieder hin! Goodbye, Sir!” ,,Goodbye und gute Besserung Ihnen!”
Der Steuerberater machte sich nun wieder auf seinen Heimweg. Bevor er hoch in seine Wohnung ging, setzte er sich an noch kurz an seinen Schreibtisch und grübelte über das Gehörte. Ein Selbstmord schien ihm immer unwahrscheinlicher, nahezu ausgeschlossen. Aber wo war das Motiv? Wer profitierte vom Tod Mr McGorymans? Zu erben gab es nichts.
Wer hätte sonst ein Tatmotiv? Wer hatte den Greis als letzter lebend gesehen? Der Metzger? Wer noch? Der Metzger!
Neugierig holte er den Ordner H – Le aus dem Regal, in der sich auch die Finanzen von Mr Laingin befanden. Vielleicht gab es dort Hinweise? Als Steuerberater war er davon überzeugt, dass die Finanzen mehr über einen Menschen aussagen als ihr Auftreten. Er schlug die Akte auf und sah sich die Umsätze der letzten Jahre an. In den Jahren von 1929 bis 1930 waren fast siebzig Prozent der gekauften Tiere Schafe. Diese Zahl hatte allerdings gehörig abgenommen. Im Jahr 1931 waren es nur noch fünfundzwanzig Prozent! Dafür war die Zahl an gekauften Schweinen wesentlich gestiegen. Sollte etwa der Metzger sein Haggis mit Schwein gestreckt haben sollen? Matthew war schockiert: ,,Der Metzger betrügt!” rief er aus. Im großen Stil hatte der Schlachter im vergangenen Jahr nach einer kurzen Rechnung mehrere tausend Pfund eingespart. Wenn ihm nun McGoryman auf die Schliche gekommen sein sollte und erpresst hätte, spekulierte Matthew. Für Mr Laingin wäre es der sichere Ruin gewesen, wenn der alte Herr es als Vorsitzender seines Traditionsvereins bekannt gemacht hätte. Vielleicht wäre es jetzt Zeit ,die Polizei zu alarmieren.
Zwei Tage später ging Matthew in die Metzgerei und bestellte Haggis. Da zu ihr auch ein kleiner Pub gehörte, in dem bereits das halbe Städtchen saß, wurde sein Auftreten lachend kommentiert: ,,Ich dachte, du bist Engländer – Engländer hassen doch Haggis!” ,,Klappe, McHansy, sonst kannst du dir einen Neuen suchen, der deine Bücher fälscht!” Danach fragte Matthew nach dem Chef. Sein Angestellter, ein kleiner, schlaksiger Junge aus London, sagte: ,,Tut mir leid, Sir, der schlachtet aber gerade!” ,,Ach so. Deshalb sitzt hier wahrscheinlich auch unser einziger Schweinezüchter faul herum und lässt sich volllaufen!” Letzten Satz brüllte er in Richtung des Tisches, an dem der Bauer saß und gerade einen Whisky trank. Er nahm sein Haggis und ging beim Herausgehen an dem Farmer vorbei durch den Pub in das dahinterliegende Schlachthaus.
Dort stand auch Mr Laingin, gerade mit dem Metzgerbeil ausholend. Auf dem Schlachttisch lag ein betäubtes Schwein. Matthews zweiter Blick fiel auf den Messerblock. In der zweiten Reihe klaffte ein Lücke passend zum Messer, das er am Tatort gefunden hatte. Der Steuerberater räusperte sich: ,,Mr Laingin!” ,,Sir, ist etwas mit meinen Finanzen?” Matthew rollte die Augen und dachte, warum denn jeder, den er besuchte, dachte, es ginge um seine Finanzen. Ohne echte Beweise versuchte er es auf gut Glück: ,,Nur indirekt, Sir, es geht eher um den Mord an dem Vorsitzenden des Traditionsvereins ,Scotch and Kilts' !” ,,Was ist mit dem?” brummte der Metzger. Er wollte gerade wieder ausholen, um nun endlich das Schwein zu schlachten. ,,Jetzt hören Sie mir doch noch einmal einen Moment zu!” ,,Hm” Er legte das Beil wieder ab. ,,Dieser ist zufällig ein und derselbe wie unser ermordeter Mr McGoryman. Und deshalb denke ich, dass der Betrug mit ihrem Haggis ein Opfer gefordert hat.” ,,Sie wissen also auch davon? Was wollen Sie von mir? SIE… !” Er nahm das Beil wieder vom Tisch. ,,Lassen Sie uns das Ganze erst einmal in Ruhe besprechen” ,,Na, dann schießen Sie mal los! Was wissen Sie alles?” ,,Mr McGoryman ist dahintergekommen, dass Sie in Ihrem Haggis betrügen und hat versucht Sie zu erpressen, sonst hätte er Ihren Schwindel publik gemacht. Ihr Betrieb wäre damit am Ende und Sie in der Stadt erledigt!” ,,Haben Sie Beweise?” ,,Das Messer hier habe ich bei der Leiche gefunden. Es ist wohl Ihres!'' ,,Pah! Er wollte fünfzig Prozent vom Gewinn. Ich finde das absolut ungerecht! Ich habe die ganze Arbeit und er hätte nur abkassiert. Da habe ich den alten Geizhals am letzten Donnerstag zur Rede stellen wollen. Mit ihm war jedoch nicht zu reden. Da habe ich ihn mit seinem blöden Goldkerl erschlagen.” Dann stürzte er sich mit seinem Beil auf Matthew. Mit einem lauten Hilfeschrei konnte er im letzten Augenblick ausweichen. Dies war das Stichwort für die Polizei, die an der Tür zur Kneipe bereits gewartet hatte. Mit gezücktem Revolver war Mr Laingin schnell zur Vernunft gebracht und wurde abgeführt.
Der Metzger legte auf der Wache ein volles Geständnis ab. Als er Mr. McGoryman erschlagen hatte, flüchtete er zuerst panisch aus dem Manor House und warf den OSCAR® fort unter die nächste Hecke. Zuhause angelangt wurde ihm erst bewusst, was passiert war und er überlegte, wie er den Totschlag noch vertuschen konnte: Da kam die Idee, es als Selbstmord vorzutäuschen. Er müsste den alten Herrn nur in seine Badewanne legen, Wasser einfüllen und ihm anschliessend die Pulsadern aufschneiden. Da er aber wusste, dass tote Tiere an neuen Wunden nicht ausreichend bluteten, hatte er vor, das fehlende Blut durch Schweineblut zu ersetzen. Was er dann auch mehr als reichlich tat.
Was für ein sinnloses Blutvergießen. ENDE