DER DIEBSTAHL IM FREIBAD

Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere für Carlo im neuen, großen Freibad. Carlo arbeitete dort schon seit langer Zeit als Detektiv. Doch dieser Tag sollte anders werden als alle bisherigen Tage. Bis zum Mittag war alles ruhig und Carlo ging seiner Arbeit nach, ohne dass etwas
Auffälliges passierte. Kurz nach seiner Mittagspause meldete sich jedoch eine ältere Dame in seinem Büro, um den Diebstahl zweier Ohrringe zu melden. Kaum hatte er alle Daten aufgenommen, stand schon der nächste Besucher in seinem Büro und meldete den Diebstahl einer Halskette. Und so ging es noch eine ganze Zeit weiter. Insgesamt sechs Diebstähle in einer so kurzen Zeit! Das hatte er in seiner langen Zeit als Detektiv noch nicht erlebt.
Carlo begann sofort mit den Ermittlungen. Als Erstes schaute er sich an, wo die Sachen verschwunden waren. Er erkannte sofort, dass diese Stellen alle auf der großen Liegewiese vom Freibad lagen. Als Nächstes beobachtete er die Badegäste, um vielleicht jemanden zu erkennen,
der sich auffällig verhielt. Auch überlegte er, ob es sich um einen Täter handelte oder vielleicht doch um eine Gruppe von Tätern. So vergingen einige Stunden, ohne dass er auch nur den geringsten Hinweis fand. Zu allem Übel zogen jetzt auch noch ein paar Regenwolken auf und die Badegäste fingen an, zusammenzupacken und das Bad zu verlassen. Er musste sich jetzt wirklich etwas einfallen lassen, um den oder die Täter doch noch zu überführen. Um die Leute noch genauer zu beobachten, kam ihm die Idee, zum Drehkreuz am Ausgang zu gehen, da sich dort beim Verlassen des Bades immer eine Menschenschlange bildete.

Schon nach wenigen Minuten fiel ihm auch gleich ein alter
Mann auf, der nur eine kleine Tüte in der Hand hielt. Carlo sprach den Mann an und fragte, warum dieser nur so eine kleine Tasche dabei hatte und nicht – wie die anderen Gäste – eine große Badetasche. Der ältere Herr antwortete auf seine Frage, dass er eigentlich nur zum Lesen in das Bad gekommen sei. Da wurde Carlo ein wenig misstrauisch
und fragte, ob er sich die Tasche genauer anschauen dürfe. Der ältere Herr schaute Carlo verwundert an und fragte, warum er das möchte. Nachdem Carlo ihm erklärte, dass er Detektiv sei und eine Diebstahlserie aufkläre, ließ ihn der Mann seine Tasche kontrollieren. Außer einem Buch konnte Carlo wirklich nichts anderes darin finden. Der
ältere Herr hatte also die Wahrheit gesagt. Carlo wünschte ihm noch einen schönen Tag und setzte seine Ermittlungen fort. Er kontrollierte immer wieder verdächtige Besucher, aber der Dieb war nicht dabei. Als nun alle Gäste das Freibad verlassen hatten, saß Carlo enttäuscht in seinem Büro. Hatte er nicht richtig geschaut oder handelte es sich um einen Profi-Dieb? All diese Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Er sagte zu sich: „Habe ich vielleicht doch etwas übersehen?“ Also machte er sich nochmal auf den Weg zur Liegewiese.

Auf der Wiese angekommen, schaute er sich um, konnte aber
im ersten Moment nichts Ungewöhnliches erkennen. Die untergehende Sonne blendete ihn, aber im Augenwinkel konnte er ein leichtes Glitzern auf der Wiese sehen. Nicht weit entfernt von ihm lag ein kleines Stück Alufolie, in dem sich die Sonnenstrahlen spiegelten. Carlo machte sich auf den Weg, um es aufzuräumen. Aber auf halbem Weg blieb er erschrocken stehen. Wie aus dem Nichts schnappte sich
ein schwarz-weißer Vogel das Stück Folie und flog davon.

Carlo überlegte kurz: Könnte es sein, dass er eben seinen Täter gefunden hat? Ein schwarz-weißer Vogel … „Na klar“, sagte er zu sich selbst. „Es ist eine Elster, die sich die glitzernden Sachen stibitzt hat.“ Er schaute sich um und sah gerade noch, wie die Elster in einem der Bäume neben der Liegewiese verschwand. Aus seiner Schulzeit wusste
Carlo noch, dass Elstern total auf glitzernde Sachen stehen und diese gerne in ihr Nest bringen. Carlo ging näher, um sich die Sache genauer anzusehen, und kletterte auf den Baum. Das Nest der Elster war schnell gefunden. Beim näheren Hinsehen konnte er alle gestohlenen Gegenstände darin entdecken. Der Detektiv musste in diesem Moment lächeln, denn er hatte den Dieb gefunden!

Er nahm alle Sachen aus dem Nest, um sie ihren rechtmäßigen Besitzern am nächsten Tag zurückzugeben. Jetzt hatte Carlo es doch noch geschafft, den Fall zu lösen, und konnte glücklich und zufrieden in den Feierabend gehen!

Der Autor hat mit seiner Geschichte (nach dem Originalmanuskript, Namen redaktionell
verändert) den 2. Preis in der Altersgruppe der 9- bis 10-Jährigen gewonnen.