Gelesen haben die Anfänge der Gewinnerkrimis: Katja Schild, Bayerischer Rundfunk Christopher Mann, Bayerischer Rundfunk

Ein mysteriöser Fall

Prolog

Das Aufräumen hasse ich noch immer, obwohl ich, Magnus, schon erwachsen bin. Ich bin aber anständig genug wenigstens einmal im Monat aufzuräumen. Heute muss ich aufräumen, weil es der letzte Tag im März ist und ich es vorher immer aufgeschoben habe. Nun, da muss ich wohl durch, denke ich. Als ich mit meiner Arbeit im Speicher angekommen bin, staubte ich einen alten Karton ab und stellte ihn in die Ecke. Dabei rutscht ein in Leder gebundenes Tagebuch aus meiner Grundschulzeit heraus. Ich nehme es vorsichtig in die Hand, blättere ein bisschen darin und bleibe bei der Überschrift “Ein mysteriöser Fall” stehen und vertiefe mich schnell in die Vergangenheit…

Die Ferien waren fast zu Ende. Sie waren super gewesen und es kann- doch nichts mehr passieren – dachte ich zumindest. Aber da täuschte ich mich sehr. An diesem Abend kam mein Vater sehr spät von seiner Arbeit zurück und wirkte etwas unruhig. Er war Direktor im städtischen Museum flir Ägyptische Kunst und war eigentlich jeden Tag schon früh wieder Zuhause. Das machte mich ein bisschen argwöhnisch, aber dies Gefühl hielt nicht lange an, denn die Müdigkeit kroch in mir hoch. Ich hätte mir bestimmt mehr Gedanken gemacht wenn ich nicht so müde gewesen wäre.

Als ich am nächsten Morgen aufstand, mich anzog und zum Frühstückstisch begab, stand schon meine blaue und prall geflüllte Müslischale auf dem Tisch. Mir entging aber auch nicht der Zettel auf dem Tisch, auf dem stand “Bin im Büro, Papa” und die aufgeschlagene Zeitung, die auf dem Fenstersims lag. Während ich meine Schale auslöffelte, las ich nebenbei die Zeitung. Mit fett gedruckter Überschrift stand dort. “Raub im Ägyptischem Museum”. Ich atmete tief und erschrak, denn in dieses Museum arbeitet ja mein Vater als Direktor. Ich las weiter nach und erfuhr, dass kein Alarm ausgelöst wurde und der Dieb wohl ein Mitarbeiter des Museums sein musste. Die Alarmanlage konnte nur von innen ausgeschaltet werden. In der Zeitung stand aber auch, dass die Polizei bereits einen Detektiv namens Mr. Smith angesetzt hatte. Ich wollte sofort ins Museum, um meinem Vater Löcher in den Bauch zu fragen, als es plötzlich an der Tür klingelte.

Ich öffnete die Tür und herein kam mein Freund Percy, er schaute mich an: “Warum bist Du denn so bleich?”. Ich erzählte ihm aufgeregt von dem Raub im Museum. “Dass würde ich mir gerne aus der Nähe ansehen” sagte Percy ruhig, der schon immer geheimnisvolle Sachen mochte. Das kam wohl davon, weil er in Krimis vernarrt war. Er hatte bestimmt schon 3/4 der Krimibücher aus der Bibliothek gelesen. Percy kenne ich bereits aus der Zeit des Kindergarten. Wir waren immer gute Freunde und ich hatte immer mit Spaß ihn zu beobachten, wie er Rätsel löste.

Also machten wir uns gleich auf den Weg ins Museum. Es war nur ca. 10 Minuten entfernt, mit dem Rad entlang des Flusses, welcher durch unsere Stadt floss. Als wir am Museum ankamen, mussten wir uns durch Statuen von Re, dem Sonnengott, Horus, der dritte Herrscher von Ägypten, Osiris, Gott der Toten, und Anubis, Gott der Friedhöfe und Bestattungen, schlängeln. Danach umrundeten wir eine Miniatur-Pyramide um dann im Gewirr aus Gängen den richtigen zu finden, bis wir endlich beim Büro des Direktors ankamen. Es war noch nicht viel los, und mein Vater war auch nirgends zu finden.
“Komm, gehen wir jetzt!” rief ich Percy zu, der bereits am anderen Ende des Ganges um die Ecke spähte. Er reagierte nicht, “was ist los?” fragte ich. “Psssst”, flüsterte er, “hör doch mal”. Ich verstummte und strengte meine Lauscher an. Von oben vernahmen wir Stimmen. “Wer könnte das gewesen sein” fragte jemand, dessen Stimme ich als die meines Vaters identifizierte. “Hat sich einer Ihrer Mitarbeiter in letzter Zeit merkwürdig verhalten?” fragte eine andere Stimme, hinter der ich den Detektiv Smith vermutete. “Ja. Mr. Mason hat sich sehr merkwürdig verhalten, er hatte heute morgen gekündigt” erwiderte mein Vater. “Den werde ich besonders gut beschatten” ließ er meinen Vater wissen. “Guten Tag” sagte der Detektiv. “Viel Erfolg.” meinte mein Vater noch.

“Also Per…., äh, Percy?”. “Bin hier”, rief er aus dem Büro meines Vaters heraus. Nach kurzer Zeit kam er mit einem triumphierendem Lächeln wieder heraus. “Und, was hast Du heraus gefunden?” Ich war neugierig. “Fünf Nachtwächter hatten in dieser Nacht Schicht. Somit können wir vermuten, dass einer von ihnen in die Sache verwickelt sein kann”, berichtete er nachdenklich.

Wir verabreden uns, heute Abend noch einmal zu kommen. Aber was sollten wir unseren Eltern sagen wenn wir ausgehen, sie machen sich bestimmt Sorgen? “Kein Problem, ich kenne da einen Trick, den die drei Fragezeichen auch immer benutzen: Also, Du sagst Deinen Eltern dass Du heute bei mir übernachtest. Ich sage das gleiche meinen Eltern, nur, dass ich bei Dir übernachte. So können wir die ganze Nacht in Ruhe das Museum erkunden”. So geschah es dann auch. Wir schlichen uns am Abend wieder in das Museum, kurz von Ende der Öffnungszeiten sperrten wir uns in den Toiletten ein. Als es dann mucksmäuschenstill war, kamen wir aus unserem Lager. Wir versteckten uns hinter den Ausstellungsstücken und beobachteten die Nachtwächter, aber wir entdeckten nichts und keiner kam uns verdächtig vor.

Am Morgen danach waren wir beide völlig ausgelaugt. Eine ganze Nacht umsonst. Als Percv plötzlich eine Idee bekam, die seine Lebensgeister wieder entfachten. “Magnus, ich habe die Idee!”, rief er. “Magnus…..?”. Danach erklärte mir Percy, ich sei eingeschlafen und er musste mich aus dem Schlaf rütteln. Als ich einigermaßen wach war, erklärte er mir aufgeregt: “Magnus, wir fertigen ein Schmuckstück an, lassen es im Museum ausstellen und sagen, es sei ein besonders seltenes und wertvolles Artefakt. Nachts legen wir uns dann auf die Lauer! Bestimmt wird der Dieb noch mal kommen, er kann dem Köder bestimmt nicht widerstehen. Wenn er dann nach Hause rennt, verfolgen wir ihn und schicken im Anschluss die Polizei dort hin” “Habe verstanden” meinte ich nur geistesabwesend. Die Vorbereitungen waren schnell getroffen. Ich setzte ein gut kopiertes Amulett zusammen, welches ich aus dem Buch “Die Alten Ägypter und ihre Kunst” entnommen habe. Nach einer langen Diskussion konnte ich schließlich meinen Vater überzeugen, das Lockmittel als neuesten Zugang der Ausstellung zuzufügen.

Percy organisierte eine Taschenlampe und ein Walkie-Talkie. Gut ausgerüstet lagen wir in der Dämmerung vor dem Museum, geschützt hinter einem Gebüsch, auf der Lauer. Der Mond schien hell und machte es überflüssig unsere Taschenlampen zu benutzen. Tatsächlich sahen wir nach kurzer Zeit, wie sich ein Nachtwächter von seinem Posten hinfort schlich. Kurz darauf hörte man es im Museum Scheppern und wir nahmen an, dass jemand die Vitrine, in welcher unser Köder lag, eingeschlagen hatte. Darauf hin rannte eine Gestalt mit einem besonders weiten Trenchcoat aus dem Museum. “Jetzt ab zum Flughafen”, murmelte die Gestalt zu sich selbst – genau in dem Moment als sie am Busch vorbei lief, hinter welchem wir uns verschanzt hatten. “Mist, ich dachte er würde nach Hause rennen. Dann hätten wir erfahren wo er wohnt und hätten die Polizei hin schicken können!”, fluchte Percv. “Planänderung”, rief er. “Wir müssen ihn aufhalten, Magnus. Du rufst die Polizei, ich halte ihn auf”. Ich fand diesen Plan viel zu waghalsig, doch Percv ließ sich nicht aufhalten. “Er hat einen Fluchtwagen”, sagte ich noch, “und im Kofferraum hat er bestimmt sein Diebesgut versteckt”. Percv nahm eine Scherbe vom Wegesrand, die von einer zerbrochenen Bierflasche herumlag. Diese warf er vor den Reifen des Fluchtwagens, der darauf hin platze. Der Dieb versuchte nun zu Fuß zu flüchten, aber Percy gelang es, ihm ein Bein zu stellen. Der Dieb viel bäuchlings nach vorne wobei ihm auch das Amulett Percys vor die Füße viel. Er schnappte sich das Amulett und wickelte die lange Kette geschickt um die Füße des Täters. Das Artefakt legte den Dieb lahm.
Die Polizei traf auch in diesem Moment ein und verhaftete den Mann. Der hieß, wie sich heraus stellte, Mr. Morlok. Als Percv und ich wieder zu Hause waren, machte sich die Müdigkeit erneut bemerkbar. Endlich im Bett angekommen, schlief ich sofort ein. Mein Vater wollte mich noch ausschimpfen da wir uns so in Gefahr gebracht hatten. Später stellte sich heraus, dass das Diebesgut des ersten Raubes bei Mr. Morlok gefunden wurde. Somit waren allen froh dass der Fall geklärt war, auch wenn der angesetzte Detektiv auf das falsche Pferd gesetzt hatte.

Epilog

An dieses Abenteuer erinnere ich mich als wäre es in den letzten Tagen passiert. So wird es auch ewig bleiben. Das Aufräumen hatte ich jetzt wirklich satt. Ich verschob es auf den nächsten Monat. Das Tagebuch werde ich in Ehren halten und die weiteren Abenteuer meiner Jugend lesen.

2. Preis der Altersgruppe der 9 und 10-jähringen (3. und 4. Jahrgangsstufe)

MAXIMILIAN WANG